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vermeidbare "Tollpatschigkeit" bei MS

Art.Nr.: 109
vermeidbare "Tollpatschigkeit" bei MS
Das Pulfrich Phänomen - eine Sehstörung

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vermeidbare "Tollpatschigkeit" bei MS

Das Pulfrich-Phänomen und die vermeidbare Tollpatschigkeit

Die "Pulfrich-Phänomen" genannte Sehstörung ist bei Medizinern wohl bekannt. Sie wird hauptsächlich für diagnostische Zwecke verwendet. Dieses Phänomen beruht auf dem sog. Pulfrich-Effekt. Das ist eine optische Täuschung, die 1922 vom deutschen Physiker Carl Pulfrich entdeckt wurde. Der Effekt beruht auf der Eigenheit der Sehnerven, optische Reize von dunkleren Lichtquellen etwas langsamer ins Sehzentrum des Gehirns zu leiten als die von helleren Lichtquellen. Daher werden die "dunkleren" Lichtreize zeitlich versetzt etwas später wahrgenommen als die hellen, was zu Fehlinterpretationen der räumlichen Anordnung von Objekten führen kann.

 

Entsprechend kann man sich vorstellen, dass einseitig geschädigte Sehnerven ebenfalls eine derartige optische Täuschung erzeugen können, weil auch sie die Lichtreize verzögert im Sehzentrum abliefern. Daher kommt das Pulfrich-Phänomen auch bei MS-Patienten nicht selten vor. Der MS-Experte Jürg Kesselring schreibt[1] dazu: "Bei mindestens der Hälfte der Patienten mit einseitiger Optikus-Neuritis findet sich das Pulfrich-Phänomen (Wist et al. 1978): Ein in der Frontalebene vor dem Patienten schwingendes Pendel wird von ihm als auf einer elliptischen Bahn sich bewegend wahrgenommen, weil der visuelle Eindruck über den betroffenen Sehnerven langsamer zum Cortex gelangt als über den anderen (Haller 1982)."

 

Das Pulfrich-Phänomen erzeugt eine falsche Wahrnehmung von bewegten Objekten bzw. von feststehenden Objekten wie z.B. Türrahmen, wenn sich der Patient an ihnen entlang bewegt. Die Glasgower Augenärzte, die sich hier mit dem Thema auseinander setzten,[2] raten ihren ärztlichen Kollegen, sich des Pulfrich-Phänomens bewusst zu sein, da es für die betroffenen Patienten oft sehr schwierig ist, die entsprechenden Symptome überhaupt zu beschreiben - Symptome, die sie als verstörend und auch peinlich empfinden. Als einfache Abhilfe wird vorgeschlagen, dem normalen Auge ein etwas abgedunkeltes Brillenglas oder Kontaktlinse zu spendieren, so dass auftreffende Lichtreize abgedunkelt und daher ebenfalls verlangsamt ins Sehzentrum geleitet werden. So soll die visuelle Symmetrie wieder hergestellt und die Symptome verbessert werden.

 

Quellenverzeichniss:

[1] Kesselring J. (Hrsg.): Multiple Sklerose, Kohlhammer 1989

[2] McGowan G, Ahmed TY, Heron G, Diaper C.

The Pulfrich phenomenon; clumsiness and collisions which can be ameliorated.

Pract Neurol. 2011 Jun;11(3):173-6.

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21551112?dopt=Abstract

 

Quelle:DMSG.de

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